#004 – Aufbau einer Community mit Tim Chimoy

In dieser Episode beschäftigen wir uns mit dem erfolgreichem Aufbau einer (kostenpflichtigen) Community.

Tim Chimoy verrät uns, welche Vorgehensweisen und Aspekte besonders wichtig sind, um eine gute und florierende Community aufzubauen. Wir sprechen über die First Steps. Das bilden eines Teams. Das Management. Die Vermarktung. Und wie man eine aktive Community betreibt, in der die Kommunikation unter den Mitgliedern, aber auch unter den Gründern selbst, einer der wichtigsten Aspekte ist, um erfolgreich zu sein.

Heutiger Gast: Tim Chimoy

Tim ist der Gründer und Ideengeber des Citizen Circle – dem 2015 gegründeten Netzwerk für ortsunabhängige Unternehmer im deutschsprachigen Raum. Gelangweilt von einer klassischen Konzernkarriere, entschied sich Tim im Jahr 2012 dazu, sich selbstständig zu machen. Im Laufe der Jahre realisierte er einige Projekte, wie beispielsweise die Blogs Stilnomaden und EarthCity sowie – last but definitely not least – die Community um den Citizen Circle. Nebenbei schreibt er großartige Bücher und hat sich dazu bereit erklärt, Teile seines gesammelten Wissens mit uns zu teilen!

 

Key-Learnings aus dem Podcast

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Das Gegenteil von Erfolg ist nicht Scheitern, sondern Nichtstun

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If you wanna go fast, go alone. If you wanna go big, go together!

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Suche dir ein Team aus Leuten zusammen, die deine Vision teilen

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Verschriftliche wie du deine Community aufbauen willst und wie sie in Zukunft aussehen soll

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Schaffe feste Strukturen in der Zusammenarbeit, um effektiv zu sein

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Die beste Form der Vermarktung ist die persönliche Weiterempfehlung

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Setze Community-Manager als Bindeglied zwischen Founder-Team und Community ein

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Schaffe ausreichend Möglichkeiten für deine Mitglieder, um sich sowohl online als auch offline zu vernetzen

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Halte dich nicht zu lange an Entscheidungsfindungen auf, sondern entwickle ein faires System

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Deine Mitglieder sind nicht deine Cash-Cow, sondern dein wertvollstes Gut

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Ein falsches Team raubt sich gegenseitig Stärken

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Bringe kein irrelevantes Merchandise heraus 😄

Aufbau einer (kostenpflichtigen) Community mit Tim Chimoy

 

In diesem Artikel fassen wir die Erkenntnisse und best practices aus unserem Interview mit Tim Chimoy zusammen. Wir empfehlen dir dringend, dass du den Podcast zusätzlich zu diesem Artikel hörst! Er wird dir viele weitere Details bringen 🙂

Um den Hintergrund ein bisschen stärker zu beleuchten, wollen wir uns zuerst Tims Community widmen – dem Citizen Circle! 💜

 

Was ist der Citizen Circle?

Der im Jahr 2015 gegründete Citizen Circle ist eine Community aus Freigeistern und Querdenkern, die sich mit dem Thema des ortsunabhängigen Arbeitens beschäftigt.

Zum Citizen Circle gehören – Stand heute (April 2019) – mehr als 400 Mitglieder, die sich gegenseitig dabei beraten und unterstützen ihre jeweiligen Träume und Visionen in Form digitaler und zeit-/ortsunabhängiger Businessmodelle Wirklichkeit werden zu lassen. Dies geschieht sowohl online als auch offline.

Zum Online-Part der Community gehören ein Forum und weitere digitale Kommunikationswege. Offline treffen sich die Mitglieder auf kleineren, lokalen Treffen oder auf vierteljährlichen größeren Konferenzen, um sich face-to-face zu beraten und den Projekten und sozialen Bindungen Leben einzuhauchen. Zusätzlich werden regelmäßig Workations, Weiterbildungen und die sogenannten Unternehmertage angeboten. Welche Angebote das einzelne Mitglied aber tatsächlich wahrnimmt, bleibt jedoch jedem Mitglied selbst überlassen.

 

Erste Schritte

Wenn man schon seit einer Weile mit der Idee spielt, eine Community mit kostenpflichtigem Mitgliederbereich zu gründen, kommt man früher oder später zu der Frage: Wo soll ich eigentlich anfangen?

Solltest du an diesem Punkt angekommen sein, empfehlen wir dir im ersten Schritt – wie bei jedem Projekt oder Vorhaben – dir zunächst ein klares Bild über das Geplante, dessen Eckpfeiler und die dahinter stehenden Ziele zu verschaffen.

Dabei können dir digitale Mindmaps oder andere analoge Strukturen (Notes auf Whiteboards o.ä.) eine besondere Hilfestellung leisten, da du dir auf diesem Wege selbst vor Augen führen kannst, was und wohin du mit deinem Vorhaben eigentlich willst.

Werde dir bewusst darüber, wie du deine Community aufbauen willst und wie sie in Zukunft deiner Meinung nach aussehen soll!

Sich eine klare Marschroute zu legen bedeutet an dieser Stelle im Übrigen nicht, dass du niemals von der von dir geplanten Marschroute abweichen solltest – denn das musst du, erfahrungsgemäß, zahlreiche Male. Schließlich kann der kalkulierte Weg in Richtung Zukunft immer von einer Turbulenz oder einem neuen Einfall überrascht werden, die dich dazu veranlasst, deine Marschroute in Richtung deines Zieles zu ändern oder einen etwas anderen Punkt anzupeilen.

Vorwärts gehen muss und sollte es langfristig aber immer.

 

Teambildung

Nachdem du diese erste Hürde überwunden hast und dir im wesentlichen klar darüber geworden bist, was du willst, solltest du im nächsten Schritt abwägen, welche Kompetenzen dein Projekt erfordert und welche Kompetenzen du selbst einzubringen in der Lage bist.

Auch an dieser Stelle kann ein Rückgriff auf Mindmaps und/oder Tabellen hilfreich sein. Darauf aufbauend solltest du den organisatorischen Kern bzw. dein Team zusammenstellen.

Falls du selbst alle notwendigen Kompetenzen besitzt, könntest du natürlich in Erwägung ziehen, dein Projekt alleine durchzuziehen. Überlege genau, was du dir von deiner Community versprichst. Behilflich kann dir an dieser Stelle auch ein relativ bekanntes Sprichwort sein:

If you wanna go fast go alone, if you wanna go big go together.

Daher wäge an dieser Stelle genau ab, welchen weiteren Weg du vorerst gehen willst!

Solltest du dich dazu entscheiden, ein Team zu bilden, kannst du das auf zweierlei Arten in die Tat umsetzen. Entweder durch Freunde, die die notwendigen Fähigkeiten besitzen. Oder du holst dir für die Kompetenzen, die du selbst nicht einbringen kannst, externe Experten mit an Bord.

Sei dir jedoch an dieser Stelle darüber im Klaren, dass beide Optionen ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben und darüber hinaus die weitere Arbeitsweise maßgeblich beeinflussen können.

Falls du dich dazu entscheiden solltest, dein Projekt gemeinsam mit Freunden zu starten, solltest du diese Entscheidung nicht überhastet fällen. Denn: Befreundet sein ist nicht gleichbedeutend mit „gut“ – d.h. effizient und harmonisch – miteinander arbeiten können.

Die falsche Konstellation an Menschen birgt nämlich die Gefahr, dass man sich gegenseitig Stärken raubt und/oder künstlich Schwächen aus Stärken erschafft.

Ein wohlgewähltes Team aus miteinander vertrauten Menschen birgt hingegen die Potenziale, dass dir die Arbeit deutlich leichter von der Hand gehen kann und man mehr Spaß an der gemeinsamen Arbeit hat.

Die Entscheidung, Freunde in deine Vision einzubeziehen, kann auch hilfreich sein, wenn du anfangs nicht die notwendigen finanziellen Rücklagen besitzt. Auf diesem Wege können die Initialkosten auf mehrere Schultern verteilt werden, die auch Leuten gehören, denen du vertraust. Solltest du diesen Weg einschlagen, ist es jedoch von grundlegender Bedeutung, dass ihr euch über den zukünftigen Weg eures Projekts gemeinsam einig seid!

Seid ihr das nicht, könntet ihr dadurch Gefahr laufen, dass eure Vision wie ein übereifriges Boot an den Klippen der Uneinigkeit zerschellt.

Wichtige Themen, die ihr daher vorher unbedingt miteinander ausmachen solltet, sind der allgemeine Aufbau des Projekts, die Vermarktungsstrategie sowie die Monetarisierungsstrategie!

Ein weitere Frage, die du dir stellen solltest: willst du im Rahmen deines Community-Projekts als klassischer Unternehmer mit Angestellten arbeiten oder lieber im Team aus Gleichgestellten.

Ein Vorteil, den es mit sich bringen kann, ein Team zu bilden, bei dem jeder seine Meinung einbringen kann, ist, dass deine Vision und die einzelnen Arbeitsansätze aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden können.

Dadurch können dir mögliche Verbesserungspotenziale deiner Vision aufgezeigt werden, die zu dem Erfolg eurer Community oder eures kostenpflichtigen Mitgliederbereichs beitragen können. Vorteilhaft ist es auch, dass die Arbeit in einem Team mehr Möglichkeiten und Kapazitäten bietet, als dir die Arbeit als einsamer Steppenwolf in der Tradition Hesses ermöglicht.

Einer der unvorteilhaften Eigenschaften eines Teams aus Gleichgestellten ist, dass sich Entscheidungsprozesse ab und an etwas in die Länge ziehen. Wichtig ist, dass man in solchen Situationen gegenseitiges Verständnis füreinander hat. Auch hier gilt wieder: If you wanna go fast go alone, if you wanna go big go together.

Wenn man jedoch eine klare Vision hat, kann es im Rahmen von Entscheidungsprozessen beispielsweise auch vorteilhaft und zeitsparend sein, wenn die Rollen hierarchisch klar verteilt sind. Andererseits könnte dadurch aber natürlich auch konstruktiver Input ‚untergebuttert‘ werden.

Randnotiz: Sei dir im Klaren darüber, dass ein bisschen Zeit vergehen kann, bis man sich daran gewöhnt sich an neue Arbeitsstrukturen zu gewöhnen – je nachdem in welcher Struktur man vorher gearbeitet hat. Ein neues Paar Schuhe muss schließlich auch eingetragen werden, bevor es verteufelt wird :erröten:

 

Kommunikation und Entscheidungsfindung

Solltest du deine Vision, alleine oder im Team, skizziert haben und die jeweiligen Kompetenzbereiche auch abgesteckt sein, gibt es zwei wichtige Faktoren, die du unbedingt berücksichtigen solltest: die Kommunikation innerhalb des Projekts und die Entscheidungsfindung.

Wenn ihr euer (Team-)Projekt im Rahmen von Sitzungen oder Meetings detaillierter planen wollt, solltet ihr euch im Vorfeld die notwendigen Strukturen schaffen.

Daher solltet ihr vor einzelnen Meetings Agenden für die jeweiligen Meetings festlegen, Räume für Diskussionen einplanen und einen klaren zeitliche Rahmen für einzelne Entscheidungen setzen, damit ihr innerhalb dieser Meetings effizient arbeiten könnt und ihr euch nicht in Nebensächlichkeiten verliert.

Um die Dauer und Hürden in Entscheidungsfindungsprozessen schon im Vorfeld einzudämmen, kann eine erste wichtige Maßnahme sein, bei der Zusammenstellung des Teams darauf zu achten, dass aus der Anzahl der Mitglieder des Teams klare Mehrheitsverhältnisse resultieren. An dieser Stelle könnte es sich beispielsweise anbieten, auf eine ungerade Mitgliederzahl des Teams zu achten. Oder dir als Initiator bei Stimmgleichheit ein höheres Stimmgewicht zuzuschreiben. Allerdings solltest du dann ebenfalls darauf achten, Teammitgliedern nicht permanent vor den Kopf zu stoßen und rigoros deine eigene Meinung durchzuboxen.

Wichtig ist auch, dass Verantwortlichkeiten möglichst klar geregelt werden. Sicher ist aber auch: in der Praxis wird es immer Fälle geben, in denen die Kompetenz nicht klar ist! Sieh das Ganze als Prozess: mit jeder neuen Entscheidungsfindung kannst du später auf diese Erfahrung zurückgreifen und darauf aufbauen.

Tipp 1: Wenn ihr euer Projekt remote starten wollen solltet, ist es wichtig, sich in regelmäßigen Abständen offline zu treffen! Auf diesem Wege kann man Durchhänger vermeiden, zu denen es häufiger kommen kann, wenn man sich ausschließlich online organisiert. Falls reale oder physische Treffen (wie z.B. ein Feierabend-Bierchen) aus organisatorischen Gründen nicht oder nur selten möglich sind, können Calls via Skype oder zoom eine wichtige Maßnahme sein, um Durchhänger zu vermeiden.

Tipp 2: Auch die Calls sollten eine klare Agenda haben!

Wenn mal nicht viel auf der Agenda stehen sollte, können Calls oder reale Treffen deines Teams auch einfach dem allgemeinen Austausch dienen – das stärkt das Gruppengefühl und ist für die Teamchemie unglaublich wichtig!

Wichtig ist es darüber hinaus auch weitere Kommunikationskanäle innerhalb deines Teams (und eventuell auch innerhalb der Community) zu haben, wie z.B. slack (Online-Kommunikationstool). Einerseits stärken auch solche Kanäle das Zusammengehörigkeitsgefühl. Andererseits können auf diesem Wege kurzfristige Anliegen schnell und unkompliziert geklärt werden.

Dennoch bergen auch solche Kanäle Gefahren in sich. Das Fehlen von Gestik, Mimik und Intonation kann – vor allem bei der Aufgabenkoordination – zu Missverständnissen führen. Sinnvoll entgegenwirken kann man solchen Mechanismen z.B. durch Emoticons. ein respektvoller Umgangston untereinander versteht sich natürlich von selbst und sollte auch in Krisensituationen nicht leiden:

„Die Aufgabe muss heute von dir erledigt werden.“ liest sich ganz anders als „Kannst du die Aufgabe heute erledigen? :erröten: Ist verdammt wichtig :unschuldsengel:“

Um den Workflow innerhalb eines Remote-Working-Projektes am Laufen zu halten, kann es auch sinnvoll sein mit sogenannten Sprints zu arbeiten., wie die in der Branche üblichen Sprints. Sprints sind meistens (reale) Treffen mit mehrtägiger Dauer, während derer ein hoher Output zu einer bestimmten Frage-/Aufgabenstellung erzeugt wird. Ihr „schließt“ euch quasi „ein“, jeder arbeitet konzentriert an den jeweils zugewiesenen Aufgabenpaketen und am Ende eures Sprints steht ihr mit einer konkret ausgearbeiteten Lösung da.

Weitere Informationen zu Sprints, agilem Projektmanagement und Scrum findest du hier!

Sobald du deine (oder ihr eure) Vision realisiert und konzeptioniert habt, beginnt die nächste Phase: die aktive Vermarktung eurer Idee!

 

Vermarktung

Um dein Projekt erfolgreich zu vermarkten, kann es natürlich äußerst hilfreich sein, wenn du bereits eine gewisse Reputation oder Reichweite – z.B. in Form eines Blogs, Facebook Fanpage, Instagram Account, etc. – besitzt.

Wenn du sie nicht selbst besitzt, kann es hilfreich sein, sich Leute mit solch einer Reputation vielleicht schon vorher in dein Founder-Team zu holen.

Weitere Optionen, die dir als Vermarktungskanäle zur Verfügung stehen, sind unter anderem Newsletter-Listen, Podcasts, Google Ads und Facebook Ads.

Um Mitglieder dazu zu gewinnen, kann es ebenfalls eine Alternative sein, unterschiedliche Arten von Mitgliedschaften anzubieten, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Mitgliedern einzugehen. Infrage kämen beispielsweise Starter-Mitgliedschaften, Premium-Mitgliedschaften mit exklusiven Benefits, Partner-Mitgliedschaften (vergünstigte Mitgliedschaften für Paare). Derartige Mitgliedschaften sind aus der Praxis hinlänglich bekannt und erfolgreich getestet.

Ein weiterer Weg ist die Weiterempfehlung durch bereits gewonnene Mitglieder deiner Community und ein entsprechendes Mitgliederpartnerprogramm (Mitglieder werben Mitglieder). Das sogenannte Word-of-Mouth-Marketing als Instrument der Neukundengewinnung ist absolut Gold wert und bietet dir einige Vorteile:

  • deine bestehenden Mitglieder werben proaktiv neue Mitglieder ohne dein aktives Zutun
  • die Kosten sind klar kalkulierbar und meist Performance-basiert. Unter Umständen kannst du sogar einen Bonus (wie Wertgutscheine) für neu gewonnene Mitglieder so gestalten, dass du damit bspw. eigene Veranstaltungen pushst
  • das Level an Trust ist immens hoch, da es auf persönlicher Empfehlung basiert
  • niemand kann die persönlichen Benefits deiner Community besser formulieren als Mitglieder, die sich vollkommen aufgehoben „bei dir“ fühlenSolltest du also bereits einige Mitglieder innerhalb deiner Community haben, empfiehlt sich das proaktive Mitgliederwerben sehr!

Dennoch solltest du an dieser Stelle ein bisschen vorsichtig sein und Folgendes bedenken: setzt du einen Bonus ein, der rein materiell ist, könntest du dadurch den Effekt erzeugen, dass nicht aus Überzeugung für deine Community geworben wird, sondern um damit Gewinn zu erwirtschaften.

Überlege dir deshalb vorher genau, welche Konzepte welche Folgen haben könnten und inwiefern diese Folgen mit deinen USPs und den Werten hinter deiner Community vereinbar sind.

Wie der Citizen Circle das Mitglieder-werben-Mitglieder-Programm umsetzt, kannst du dir als gelungenes Fallbeispiel hier anschauen: https://www.citizencircle.de/geworbene-neumitglieder/

 

Größe der Community und Fluktuation

Sollte deine Community schon eine Weile Bestand haben, wirst du früher oder später feststellen, dass der Zugang und Abgang von Mitgliedern teilweise immensen Fluktuationen unterworfen sein kann. Wenn jedoch eins deiner formulierten Ziele das konstante Wachstum der Community ist und du planst, mit ihr früher oder später Gewinn zu erwirtschaften, musst du zu unterschiedlichen Maßnahmen der Mitgliedereinbindung und Mitgliederbindung greifen.

Ein erster Schritt kann es sein, bei neuen Mitgliedern deiner Community ein sogenanntes Onboarding zu vollziehen.

Ein Teil des Onboardings könnte beispielsweise in einem persönlichen Telefonat bestehen oder in einer gemeinsamen Skype-Session, in dem du oder ihr neue Mitglieder willkommen heißt und den Leuten dabei helft, in der Community anzukommen. Du solltest die Angebote deiner Community aufzeigen und deinen Neumitgliedern vorstellen, welche Möglichkeiten sie haben, um sich einzubringen und in deiner Community wohl zu fühlen. Fühlt sich ein Mitglied wohl, ist die Ausgangsbasis für eine langfristige Mitgliedschaft auf jeden Fall schon mal gelegt. :erröten:

Wenn du nicht die Mittel oder Zeit hast, die Leute persönlich an Bord zu holen, solltest du auf jeden Fall darauf achten, Kleingruppen und private Räume innerhalb deiner Community zu schaffen. Diese können als Plattform für den regelmäßigen Kontakt, persönlichen Austausch und gegenseitige Beratung die erste kleine Wohlfühloase für neue Member innerhalb deiner Community sein, in der die Mitglieder ihre ‚Berührungsängste‘ verlieren. Beispiele hierfür wären unter anderem sogenannte Masterminds (regelmäßige Online-Treffen von Mitgliedern in einer festen Gruppe zu bestimmten Themen, die die Mitglieder gemeinsam haben und zu denen sie sich austauschen) oder auch lokale Treffen vor Ort.

Ein weiteres wichtiges Tool ist die Möglichkeit der Selbstvorstellung neuer Mitglieder. Dadurch wird zum einen für Kommunikation untereinander gesorgt. Zum anderen lernen sich die Mitglieder rein virtuell direkt von Anfang an besser kennen.

Als Gründer und Entscheider solltest du das Wachstum deiner Community aber stets im Auge behalten, da durch ein zu schnelles Wachstum geschützte Räume innerhalb der Community verloren gehen. Dies kann zur Folge haben, dass sich die Mitglieder deiner Community nicht mehr wohl fühlen und deine Community daher verlassen.

Um den Zuwachs an Mitgliedern zu regulieren, können beispielsweise (zeitlich begrenzte) Öffnungsphasen eingeführt werden, in denen ihr neue Mitglieder mit einer gewissen Frequenz oder nach bestimmten Kriterien zulasst. Diese Maßnahme, die auch als (Marketing-)Mittel der künstlichen Verknappung fungieren kann, kann Sorge dafür tragen, dass das familiäre Miteinander innerhalb der Community nicht verloren geht.

Da Communities aber gleichzeitig von Veränderung und Diversität leben, darfst du solche Mittel auch nicht zu stark dosieren, da deine Community ansonsten Gefahr läuft zu stagnieren.

Ein weiteres wichtiges Mittel ist dein Umgang mit Feedback und Kritik. Nimm sie dir zu Herzen und achte vor allem auf Einwände und Wünsche, die gehäuft auftreten. Wenn du deine Community fortlaufend verbessern willst, gibt es keinen besseren Weg als auf die Leute zu hören, die tagtäglich in deiner Community zuhause sind!

Dennoch solltest du bei allen Dingen, sei es Wachstum oder Feedback, darauf achten, dass du an deinen Alleinstellungsmerkmalen und Werten festhältst und ihnen treu bleibst. Ansonsten kann es passieren, dass du viele deiner langjährigen Mitglieder auf einen Schlag verlierst. Frag deine Mitglieder, bevor du große Änderungen umsetzt! Und hol dir allgemein lieber mehr Feedback als zu wenig!

 

Management der Community

Zum erfolgreichen Management einer Community gehören nicht nur das Founder-Team und die Mitglieder der Community. Hat deine Community eine gewisse Größe erreicht, kannst du als wichtiges Bindeglied sogenannte Community-Manager einsetzen.

Da Community-Manager in der Regel Teil der Community und Teil des Teams hinter den Kulissen sind, können sie als Vertrauenspersonen häufig ein erster Anlaufpunkt für Kritik und Feedback sein und sind daher für eine Community besonders wertvoll. Da eine gute Community auf einer großen Menge Menschen basiert und jede gute Community daher auch in der Organisation gut aufgestellt sein muss, sind Community-Manager ab einer gewissen Größe nahezu unabdingbar.

 

Kommunikation innerhalb der Community

Um die Kommunikation innerhalb deiner Community zu fördern, ist es wichtig, dass du und dein Team aktiver Teil der Community seid. Lebe anderen Mitgliedern vor, was du von der Community willst!

Der Citizen Circle hat beispielsweise zwei Kommunikationskanäle: (1) slack und (2) ein klassisches Forum.

slack eignet sich vor allem für kurzweilige Kommunikation. Hier kann man sich wunderbar zu nächsten Treffen oder akuten Problemstellungen unterhalten. slack ist allerdings nicht auf lange Erhaltung der Beiträge ausgelegt, erlaubt aber schnellen und direkten Austausch in gut strukturierteren Kanälen.

Das Forum wiederum kann beispielsweise dazu genutzt werden, um dort Wissen zu hinterlegen, es sich dort abzuholen oder ausschweifende Diskussionen anzuregen.

Solltest du die Aktivität deiner Mitglieder innerhalb des Forums anregen wollen, können unter anderem Wettbewerbe, die die aktivsten Mitglieder deiner Community mit kleinen Preisen belohnen, ein probates Mittel sein. Allerdings sollten sich die Preise in so einem Fall innerhalb eines moderaten Rahmens bewegen, damit auch an dieser Stelle die Mitglieder nicht aus den falschen Gründen, wie z.B. der Selbstprofilierung, motiviert sind.

Wenn du daran interessiert bist, eine nachhaltige Community aufzubauen, ist es besonders wichtig, dass du den Mitgliedern nicht nur die Möglichkeit gibst, sich online zu treffen, sondern auch im realen Leben. Durch Community-Treffen (wie regionale Stammtische, Meet-Ups oder Konferenzen) schaffst du Möglichkeiten für deine Mitglieder, wie sie offline Kontakte zueinander knüpfen können.

Auf diesem Wege kannst du es schaffen, die Mitglieder an deine Community zu binden und sie als Teil in deiner Community zu integrieren. Das kann einerseits dazu führen, dass sich innerhalb deiner Community ein Family Feeling entwickelt, dessen Früchte das Wohlbefinden und das aktiven Einbringen der Mitglieder sind. Fernerhin führen diese Dynamiken dazu, dass sich innerhalb deiner Community Strukturen entwickeln, die ganz eigene Potenziale und Resultate haben, wie z.B. das Networking innerhalb eines geschützten Raumes, Auftragsvergabe oder gemeinsame Tätigkeiten und Projekte. Ohne den Citizen Circle hätten wir beispielsweise unsere Online-Marketing-Agentur The Web Experts niemals gegründet.

Nichtsdestotrotz wirst du feststellen, dass es unterschiedliche Typen von Mitgliedern gibt: manche, die lediglich die Inhalte deiner Community wahrnehmen und andere, die wirklich Teil einer Community werden wollen.

Hier bleibt als Learning von Tim festzuhalten: Mitglieder, die ausschließlich online da sind und nie auf physische Treffen kommen, werden die Community wieder verlassen, sobald sie alle Inhalte aufgenommen haben. Mitglieder, die sich tatsächlich vernetzen und persönliche Kontakte schaffen, tendieren normalerweise sehr selten zum Austritt.

Natürlich schwingt hier psychologisch mit, dass sie den Anschluss an die Community nicht verlieren wollen. Also biete deinen Mitgliedern ausreichend Möglichkeiten und Mehrwert, um sich zu vernetzten und sie so langfristig an deine Community zu binden.

 

Monetarisierungsansätze

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um deine Community zu monetarisieren. Ein paar dieser Möglichkeiten möchten wir dir zum Abschluss vorstellen.

Um die anfallenden Kosten deiner Community, wie z.B. technische oder personelle Kosten, zu decken, kannst du eine Mitgliedschaftsgebühr einführen und deine Community dadurch kostenpflichtig machen.

Wenn du Konferenzen oder anders geartete Zusammenkünfte veranstaltest, ist es darüber hinaus auch möglich auf diesem Wege Geld zu verdienen. Sei dir allerdings bewusst, dass die Kosten für Konferenzräume, etc. nicht unerheblich sind und du deinen Mitgliedern keinen Preis abverlangen solltest, der nicht mehr im Rahmen ist. Betrachte Konferenzen deshalb eher als Möglichkeit sich im realen Leben zu treffen und dadurch deine Mitglieder stärker an deine Community zu binden. Bei externen Teilnehmern kannst du natürlich auch einen Aufschlag verlangen! Gleichzeitig könntest du ebenfalls überlegen, dass du Externen die Ticketkosten erstattest, falls sie nach der Konferenz Mitglied deiner Community werden wollen. 

Ein weiterer Ansatz zur Monetarisierung ist das Sponsoring der Konferenzen. Wenn dir aber das Wohl deiner Community am Herzen liegt, solltest du behutsam mit der Wahl deiner Werbepartner umgehen! Achte darauf, dass deine Sponsoring-Partner kompatibel mit den Werten deiner Community sind, sie deiner Community einen Mehrwert bieten und du sie daher auch auf die Mitgliedern deiner Community ‚loslassen‘ kannst. Ein Weg, um geeignete Sponsoren zu finden, können Vertriebspartner sein, die Unternehmen gezielt für geplante Events oder ein langfristiges Sponsoring an Bord holen.  

Wenn deine Community themenorientiert ist und du fachspezifische Kenntnisse vermittelst, könntest du ebenfalls darüber nachdenken zusammen mit deiner Community Fachliteratur auszuarbeiten! Über den Verkauf dieser Bücher könntest du dich ebenfalls finanzieren – oder zumindest eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen. Andererseits könnte deine Community auch das Potenzial dazu besitzen, das dort gesammelte Fachwissen nicht lediglich in Bücherform zu verpacken, sondern auch aktiv an Unternehmen heranzutreten und kooperative Partnerschaften anzustreben. Solche Maßnahmen sind aber stark von den Expertisen deiner Mitglieder und der wirtschaftlichen Nachfrage dieser Expertisen abhängig.

Und was bei treuen Fans natürlich immer gut ankommt und gern gesehen ist: Merchandise! Eine Community dient natürlich auch der eigenen Identität und jedes engagierte Mitglied freut sich Teil deiner Community zu sein. Und das entsprechend auch nach außen zu zeigen. 😊

Unsere nächsten Workshops stehen vor der Tür!